6 Zusammenfassung und Ausblick

Das vorliegende Projekt und der Konzeptansatz sollen ein Beispiel aufzeigen, wie man die Ressourcen und die Lebenswelt der Jugendlichen zusammen mit neuen Technologien und Medien für Bildungszwecke nutzen kann, ohne sie zu sehr zu pädagogisieren und fremdzusteuern. Zudem zeigt das Projekt auf, dass musisch kreative Arbeit auch ein weites Spektrum an allgemeinem Wissen und Kompetenzen bzw. ein hohes Maß u. a. an klassischem naturwissenschaftlichem Wissen erfordert, obwohl man dies zuerst nicht vermuten mag. Jugendlichen, die sich nicht für den technischen Schwerpunkt des Projekts motivieren lassen, kann angeboten werden, z.B. das Ton-, Bild- und Videomaterial für die Gestaltung der Projekte zu übernehmen. Dadurch dass die Jugendlichen angeregt werden sollen, alle Arbeitsschritte zu dokumentieren (durch Videopräsentationen, Auftritte usw.) kann der Wissenszuwachs zugleich evaluiert werden. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die sonst vorherrschenden Szenendiskrepanzen durch Crossover-Musikprojekte überwunden werden können, ohne die Identifikation der eigenen Szenenzugehörigkeit aufzugeben. Die Jugendlichen müssen sich intensiv mit den Szenemustern auseinandersetzen – Beispiel Wohngruppen Praktikum, wo die Jugendlichen das Frauenbild im Hip Hop kritisierten – und entsprechende Überlegungen für die Präsentation und Gestaltung als mündiges Mitglied einer demokratischen Gruppe anstellen. Sie werden ständig gefordert, die Themen zu reflektieren, was einen Lerneffekt unterstützt. Die Themen bieten genügend Freiheiten, sodass die Jugendlichen nach ihren Vorstellungen zusammen mit professioneller Unterstützung eine neue Welt entdecken können. Für die Umsetzung sind die meisten Ressourcen vorhanden (z. B. gehören Computer und Internet zur Standardausrüstung bei Jugendlichen und Institutionen) (vgl. ebd.). Angesichts der Tatsache, dass viele urhebergeschützte Materialien im Internet ohne großen Aufwand illegal beschafft werden können, ist die Notwendigkeit offensichtlich, dass ein Umdenken im Umgang mit Kulturgütern und geistigem Eigentum im Hinblick auf die kommerziellen Lizenzierung gefunden werden muss. Nur die moralisch ethische Ebene hält einen davon ab, gegen momentan geltendes Recht zu verstoßen. Die angestrebten Konzepte zum Leistungsschutz (ACTA, Ceta usw.) berücksichtigen hauptsächlich nur die kommerziellen Interessen, würden die Vielfalt des Internets stark einschränken und die Verwendung zugunsten der Wirtschaftslobby stärken. Schon heute wird mit dem außergerichtlichem Abmahnverfahren sehr viel Schindluder getrieben. Die Betroffenen werden teilweise zu Unrecht beschuldigt. Besonders in der Film- und Musikbranche sind die Einnahmemöglichkeiten über Abmahnverfahren für viele Konzerne und Anwaltskanzleien (die bekannteste ist die Kanzlei Waldorf Frommer) inzwischen oftmals lukrativer als die über klassische Vertriebswege (vgl. Arnold, 2012). Dadurch dass die Jugendlichen selbst etwas erschaffen, kann ein Bewusstsein für den Wert des geistigen Eigentums gefördert werden. Dies ist sicherlich produktiver als der Verweis auf geltende Gesetze bzw. das Verhängen von Sanktionen, wie z. B. das Kappen des Internetzugangs bei mehrmaligen Verstößen gegen das Urheberrecht, unverhältnismäßige Geldstrafen usw.. Bisher betreffen die negativen Auswirkungen des Internets hauptsächlich die Wirtschaft (z. B. Raubkopien) und Politik (z. B. Wikileaks, Staatstrojaner, der Fall zu Guttenberg, Mitschnitte von Polzeigewalt bei Demonstrationen, darunter die Eskalation bei den S21 Demonstrationen usw.). Diese Beispiele zeigen, dass die Transparenz des Internets lange Zeit unterschätzt wurde. Aber auch das blinde Vertrauen in die technischen Möglichkeiten, u. a. durch den Komfort, den sie bieten, muss überdacht werden. Viele Kraftwerke (darunter auch Atomkraftwerke) werden heute über eine zentrale Schaltzentrale über Internetverbindungen gesteuert. Für IT Experten wäre es prinzipiell leicht, in die Steuerungsanlagen einzudringen und z. B. die Kühlmechanismen auszuschalten, was einen folgenreichen Schaden für die gesamte Gesellschaft und die Natur zur Folge hätte (vgl. Spiegel Online, 2012) – Bekanntester Fall ist der „Stuxnet“ Virus, der Siemenssteueranlagen befallen hat, was nicht nur in iranischen Atomanlagen zu Problemen führte, sondern auch in deutschen Anlagen zu massiven Problemen führte. Die zunehmende Nutzung von elektronischen Ressourcen im Bildungswesen kann Wissen und Kompetenzen individualisieren. Eine Gruppe, die dieses Ziel verfolgt sind die „Cyber-“ und „Edupunks“ – bekanntester Vertreter ist Aaron Swartz, dem wegen Diebstahls von wissenschaftlichen Artikeln aus der Bibliothek JSTOR des Massachusetts Institute of Technology (MIT), die er frei im Internet anbieten wollte, eine 35 jährige Haftstrafe drohte und der deshalb Suizid beging (vgl. Pitzke, 2013). Statt die Freiheit zu bekämpfen, sollte man sich angesichts des ständigen schnellen technologischen Wandels vielmehr Gedanken darüber machen, wie man das entstehende Wissen auch für zukünftige Generationen archiviert und verfügbar hält. Der Konflikt zwischen freien Bildungsquellen, Wissen und Kompetenzen, Individuen einerseits und Wirtschaftsinteressen andererseits wird sich, wenn es so weitergeht, weiter zuspitzen, bedenkt man nur einmal, dass mit dem Aufkommen von 3D Druckern noch mehr Grenzen fallen werden. Dementsprechend müssen Jugendliche für zukünftige Entscheidungen eine umfassende Medien- und Technologiekompetenz besitzen, damit die Gesellschaft nicht zunehmend von Wirtschaftslobbyisten gesteuert wird. Mit dem und durch das Projekt soll ein qualifiziertes, kritisches Denken gefördert werden, sodass Jugendliche fähig und bereit sind, mündig an der Gesellschaft und ihren Entscheidungsprozessen zu partizipieren. Sie sollen animiert werden, sich an der Gestaltung ihrer Um- und Lebenswelt aktiv zu beteiligen und dabei besonders das Internet als Mitmachmedium für sich zu nutzen.

5.7 Die „Bühne“ – Jugendliche präsentieren ihre Werke |

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