5.7 Die „Bühne“ – Jugendliche präsentieren ihre Werke

Die vorangegangen Kapitel haben explizit den technischen Schwerpunkt des Projekts behandelt. Bei der Konstruktion bzw. bei der Entwicklung entstehen viele Probleme, die, wie aufgezeigt, mithilfe von Internetquellen bzw. einer Recherche im Internet meistens gelöst werden könnten. Doch die größte Problematik ist nicht primär das Technische, sondern dass viele Anleitungen, Erklärungen und schließlich auch die Kommunikation selbst, u. a. in Foren, zumeist in englischer Sprache abläuft. Viele der Verfasser/innen haben aber nicht Englisch als Muttersprache, sodass die Formulierungen nicht immer grammatikalisch und sprachlich korrekt formuliert sind. Das erschwert den Einstieg in die Thematik. Zwar können die Quellen mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen grob in andere Sprachen transferiert werden – z. B. hat der Google Chrome Browser eine Übersetzungsapplikation integriert, womit Internetseiten automatisch übersetzt werden können. Dabei kommt es aber immer wieder zu Übersetzungsfehlern. Zusätzlich sind die Fachtermina nicht im regulären Sprachgebrauch üblich, sodass eine Übersetzung aus dem Kontext mit vorhandenem Schulenglisch erschwert wird. Um den Lerneffekt bzw. den Wissens- und Kompetenzaufbau zu stärken, werden im Folgenden mögliche Präsentationsformen beschrieben, die die beteiligten Jugendlichen motivieren sollen, ihre erworbenen Kenntnisse im Zuge des Projekts zu präsentieren. Der Hintergrund, auf dem die Technik oftmals verwendet wird, basiert sowieso darauf, dass sie vor einem Publikum präsentiert wird. Im Internet finden wir zahlreiche Plattformen, die es dem Benutzer erlauben, kostenlos Videos, Fotos und Musik hochzuladen. Zusätzlich kann man seine Werke auf einer eigenen Homepage (z. B. ein „Blog“) darstellen und sich über die Sozialen Netzwerke (Facebook, Twitter usw.) über seine Werke austauschen. Eine Präsentation hat auch den Vorteil, dass die gefundenen Lösungswege und Entwicklungen für andere nützlich sein können und die Arbeit einen nachhaltigen Charakter in sich birgt, besonders im Hinblick darauf, dass es für eine Problematik nicht nur einen Lösungsweg gibt. Zudem müssen sich die Jugendlichen Gedanken darüber machen, wie sie ihre Arbeiten darstellen, sodass möglichst sofort erkennbar ist, was dargestellt wird. Dafür müssen sie nicht unbedingt selbst in den erstellten Materialien zu sehen sein. Durch Anfertigen von Lehrvideos (engl. „Tutorials“) wird der Inhalt noch intensiver reflektiert. An dieser Stelle kann das vorhandene Wissen bzw. Kompetenzen zu Lehrsituationen und deren Vermittlung von u. a. Lehrer/innen gut mit dem Projekt verknüpft werden. Zudem kann man durch die professionelle Analyse der erstellten Lehrvideos und den Arbeitsprozess Rückschlüsse darauf gewinnen, wie eventuelle Lehrsituationen für Jugendliche effizienter bzw. produktiver gestaltet sein müssen, um erfolgreiche Lernprozesse zu fördern bzw. den Wissens- und Kompetenzstand zu evaluieren. Zusätzlich kann der Einbezug von Lehrerpersonal bei Jugendlichen eine Perspektive für die Lehrer/innen-rolle und vielleicht Empathie für die Lehr-Lernsituationen und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieser fördern.

Die technischen Möglichkeiten, die für eine Dokumentation benötigt werden, sind bei Jugendlichen oftmals vorhanden und werden teilweise intensiv genutzt (37% der Jugendlichen machen regelmäßig mit ihrem Handy/Smartphone Fotos oder Videos) (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2012, S. 56). Die Handys und Smartphones nehmen heute schon mit einem Blue-Ray Standard auf und viele Digitalkameras haben eine integrierte Videoaufnahmefunktion. Für die Nachbearbeitung des aufgenommen Bildmaterials reicht ein einfaches Videoschnittprogramm (Windows Movie Maker, Apple iMovie usw.) bzw. die Funktion ist in neuen Smartphone integriert oder kann kostenlos über die entsprechenden Bezugsquellen (Apples „Appstore“, Google „Play“ usw.) nachgerüstet werden. Die JIM-Medienstudie zeigt, dass Jugendliche oftmals in dem Bereich Kompetenzen und Wissen vorweisen können. Jeder zehnte Jugendliche bearbeitet regelmäßig Fotos und Videos mit dem Computer, stellt diese ins Internet und fertigt Präsentationen mit dem Computer an. Mit zunehmendem Alter steigt die Nutzungsfrequenz bei Jugendlichen. (Vgl. ebd., S. 37) Die Jugendlichen können bzw. sollen frei entscheiden, inwiefern sie sich selbst repräsentieren. Dabei sollte man aber auch auf die Gefahren hinweisen, dass man nur man nur punktuelle Momentaufnahmen seiner eigenen Person im Internet präsentiert, die nicht die ganze Persönlichkeit repräsentieren können. Dementsprechend sollte in pädagogischen Konzepten bedacht werden, dass Jugendliche nicht nur die technischen Kompetenzen für eine Umsetzung erlernen, sondern auch Sensibilität dafür entwickeln, was den Umgang mit persönlichen Daten anbelangt und wie man sich im Internet präsentiert. Dies ist besonders im Hinblick darauf wichtig, dass Mobbing im Internet, z. B. in Form eines „Shitstorms“, massive Störungen in der Entwicklung eines Jugendlichen hervorrufen kann. Entsprechend gilt es auch, Kompetenzen im Umgang mit solchen Situationen zu schulen und eine gewisse Resilienz und Frustrationstoleranz aufzubauen. Die Thematik der Projekte kann zu einem positiven Selbstwertgefühl führen, wenn die Jugendlichen ihr Wissen und ihre Kompetenzen an andere weitergeben können und wenn sie merken, dass sie als Experten ernst genommen werden.

5.6 Der Bildschirm war gestern – „Projection Mapping“ als visuelle Präsentationsform |

6 Zusammenfassung und Ausblick |