5.3 Konzept & Projektaufbau

Die vorangegangenen Thematiken zu Peer-Education und Musik sollen in diesem Projekt miteinander zu einem praktischen Medienkompetenzansatz kombiniert werden. Mit dem Projektansatz bzw. dem Konzept sollen die unterschiedlichen Lebenswelten, die Bedürfnisse der Jugendlichen und die der Gesellschaft in einem demokratischen Bildungskontext miteinander verknüpft werden, besonders im Hinblick darauf, dass Medien zum einen als Konsum- aber auch als Kulturgüter an Bedeutung gewinnen, ihre Aneignung aber bisher eher über Peer-Kommunikation, -Group und Selbstsozialisation abläuft. (Vgl. Kleinschnittger & Neumann-Braun, 2012, S. 232) Zusätzlich bietet die Arbeit mit und durch Jugendliche eine gute Möglichkeit, Einblicke in die für Erwachsene oft befremdlich wirkenden dynamischen jugendlichen Lebenswelten zu erhalten, woraus eventuelle Rückschlüsse gewonnen werden können, wie Jugendliche lernen bzw. welche Ansprüche sie an Lernkulturen stellen. Besonders die Selektionsmechanismen im Bildungssystem und ihre statischen Curricula basieren oft auf Standards, die nicht das wirkliche Wissen und die tatsächlichen Qualifikationen von Jugendlichen abfragen, sondern nur die für die Gesellschaft relevanten Ambitionen bewertet. Wie vorher schon erwähnt, konzentrieren sich die Peer-Education Ansätze darauf, dass die Ressourcen der Jugendlichen sinnvoll mit formellen und informellen pädagogischen Kontexten kombiniert werden und die Peer-Group als nützliche Ressource anzuerkennen ist. Grundlegend sollte die Teilnahme an dem Projekt freiwillig sein und schon bei der Konzeptionierung sollten die Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen berücksichtigt werden, um den demokratischen Charakter der Veranstaltung zu fördern und eine Identifikation mit dem Projekt zu ermöglichen. Wichtig ist es, dass die angestrebten Inhalte nicht zu einer Überforderung der Jugendlichen führen. Deshalb sollte man, bevor man die später beschriebenen Projekte in die Praxis umsetzt, genau darauf achten, inwiefern die Jugendlichen mit der Thematik zurechtkommen und wo entsprechender Bedarf an Unterstützung und Hilfestellung besteht, um einer negativen Belastung (z. B. Rolle der Educatoren) entgegen zu wirken. Falls die beteiligten Jugendlichen schon Vorkenntnisse hinsichtlich der später beschrieben Thematik haben, sollten sie motiviert werden, ihre Kenntnisse in das Projekt einzubringen. Zusätzlich sollte man versuchen, bei der Konzeptionierung lokale und regionale Ressourcen mit in das Projekt einzubinden. Besonders im Hinblick darauf, dass die spätere Endfertigung durch externe Ressourcen und Networking erheblich vereinfacht würde und dazu noch generationsübergreifende Kooperationen geschaffen werden könnten. Ideal wäre ein „Fab Lab“, in denen die Jugendlichen bei der Herstellung weniger an mangelnde Geräteressourcen und Wirtschaftsphilosophien gebunden wären. Zudem können die Jugendlichen angeregt werden, zu überlegen, wen sie in ihrem Bekannten und Freundeskreis kennen oder ob sie Künstler, die man für eine Beteiligung anfragen könnte, kennen. In jeder Stadt gibt es regional agierende DJs bzw. Musiker oder anderweitige Künstler, die potenziell für das Projekt in Frage kommen würden. Dadurch könnte nicht nur die technische Seite abgesichert werden, sondern die Jugendlichen würden auch einen Einblick bekommen, dass ein Künstlerleben nicht unbedingt so glamourös scheint, wie es die Darstellung vermuten lässt, sondern dass auch diese Tätigkeiten mit einer gewissen Ernsthaftigkeit bzw. Engagement durchgeführt werden müssen und daraus auch negative Faktoren hervorgehen können – evtl. kein festes Einkommen, schlechte Wohnverhältnisse aufgrund von mangelnden Gagen usw.. Sicherlich wären auch Kooperationen mit Ausbildungsbetrieben hilfreich. Die Auszubildenden der Betriebe könnten sich an dem Projekt beteiligen, wodurch sich für die Jugendlichen auch eine niederschwellige Berufsorientierung ergeben könnte und die Auszubildenden andererseits ihr Selbstwertgefühl positiv steigern könnten. Aus der Kooperation können Bildungsnetzwerke entstehen, die als wichtige Entlastung und Ressource für die pädagogische Arbeit nützlich sind und eine Nachhaltigkeit des gewonnen Wissens und der Kompetenzen im Zuge des Projekts sichern könnten (vgl. Fuchs, 2011). Für die räumliche Umsetzung wäre, wie erwähnt, ein „Fab Lab“ optimal, aber es würde auch ein Raum reichen, in dem die Geräte für die Dauer des Projektes aufgebaut werden können und zu dem die Jugendlichen auch außerhalb der geplanten Projektzeit Zugang hätten. Die entsprechende Einrichtung bzw. Gestaltung kann Teil des Projekts sein, sodass die Jugendlichen angeregt werden, sich aktiv mit ihrer räumlichen Umwelt auseinanderzusetzen. Bei der Konzeptionierung der später beschriebenen Themen wurde darauf geachtet, dass sie einen spielerischen kreativen Zugang zu der Materie Elektronik und Musik bieten sollen. Die Themen sind im Internet recht populär und dementsprechend ist die Beschaffung von zusätzlichen Informationen mit entsprechendem Engagement machbar. Bei den Darstellungen wurde darauf geachtet, dass die Themen offen gehalten werden. Sie sollen den Einstieg in die Thematik vereinfachen, ohne gleichzeitig die Freiheiten in der Entwicklung und Umsetzung zu sehr einzugrenzen. Die Jugendlichen sollten selbst bestimmen und sich weitgehend selbst organisieren. Das folgende Beispiel schildert einen Eindruck, wie solche Projekte zu Stande kommen können.

Während eines Praktikum in der Wohngruppe 2, St. Stephanus der Caritas Gießen e.V., die u. a. mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen aus der ganzen Welt arbeitet, habe ich von meinem Hobby des DJ erzählt. Irgendwann fragten mich die Jugendlichen, ob ich nicht mein DJ Equipment mit zur Arbeit bringen könnte. Nach einer kurzen Rücksprache mit der Wohngruppenleitung und nach einer kurzen Einweisung im Umgang mit dem Equipment wurde es den Jugendlichen freigestellt, sich an der Materie des DJ auszuprobieren. Die Jugendlichen waren sehr angetan von dem Angebot und brachten zahlreiche Vorschläge, hörten intensiv zu, wenn ihnen etwas erklärt wurde und versuchten es auch direkt umzusetzen. Zum Auflegen wurde ein digitales Timecodevinylsystem verwendet, wodurch die Jugendlichen die Möglichkeit hatten, ihre eigene Musik zu verwenden, was gerne in Anspruch genommen wurde. Sie bemerkten, dass die Vorgänge zwar leicht aussehen, aber wenn man sie bewusst einsetzen möchte, auch eingeübt werden müssen – wie bei jedem anderen Musikinstrument muss die Spieltechnik erlernt werden, um eine gewisse Routine zu erlangen. Besonders war aber, dass sich die Jugendlichen selbstverständlich untereinander selbst Hilfestellungen und Tipps gaben, aber auch respektvoll Kritik übten, wenn etwas sich nicht harmonisch anhörte. Es zeigte sich, dass die Jugendlichen schon ein gewisses Vorverständnis für den DJ und seine Tätigkeiten hatten. Darüber hinaus kam eine Diskussion auf, welche Musik denn die „wahre“ Musik sei. Die Jugendlichen erzählten sich untereinander die Besonderheiten ihrer Lieblingsmusik, sie berichteten auch von ihrer Heimatmusik und -kultur und warum sie entsprechende präferieren. Zudem kritisierten die Mädchen besonders das Rollenbild, das teilweise mit den Szenen und den Liedern transportiert wird – besonders das oftmals vorhandene sexistische Rollenbild der Frau im Hip Hop wurde thematisiert. Daraus entstand eine informelle dynamisch offene Lern- und Diskussionskultur. Ein paar Jugendliche probierten sich intensiv als DJ aus, während andere aus der Gruppe anfingen zu singen und zu tanzen. Später fragten mich einige Jugendliche, ob es möglich wäre, dass ich mit ihnen eigene Lieder komponiere und ihnen mehr von der Technik erzähle. Das größte Problem bei diesem kleinen DJ-Musik Projekt war es, dass ohne das nötige Equipment ein weiteres Vorgehen in dem Bereich nicht möglich ist. Deshalb wird in dem folgenden Kapiteln explizit darauf geachtet, dass die verwendeten Materialien günstig bzw. kostenfrei sind.

5.2 Grafisches Programmieren mit Cycling’74 Max/MSP |

5.4 „Ich glaub, du hast’n Kurzen.“ – Elektronische Schaltkreise durch „Circuit Bending“ entdecken |