3 Neue Medien, neue Lernkulturenen

Der gesellschaftliche und kulturelle Wandel, u. a. durch den „Iconic Turn“, zwingt Jugendliche dazu, die entsprechenden Symbole zu beherrschen. Das daraus entstehende popkulturelle Kapital beinhaltet Objektivierung (z. B. Schallplatten, Musikzeitschriften usw.) und Inkorporierung (z. B. kulturelle Fähigkeiten und Wissen der populären Kultur). Popkulturelles Kapital meint den authentisch rezeptiven und produktiven Umgang mit Wissen, Kompetenzen und kulturellen Gütern, der sich im Kontext der aktiven und passiven Partizipation verschiedener soziokultureller Aktivitäten und deren Relevanz ausformt. Entsprechend kann das erarbeitete bzw. vorhandene subjektbezogene Kapital für die sozialen Interaktionen und Disktinktionen im Zusammenhang mit Peers und Szenen einen wichtigen Integrationsfaktor übernehmen. (Vgl. ebd., S. 129 f.) Die Aneignungsprozesse finden meistens autodidaktisch und im kooperativen Lernen außerhalb der klassischen Bildungsorte statt. Aus dieser Tendenz entwickelt sich ein Spannungsfeld. Das Selbstbild mancher Szenen lehnt explizite bzw. implizite Bildungsinstitutionen ab oder sie werden infrage gestellt. Der zunehmende ökonomische Anspruch (vgl. Bosker & Scheerens, 1997) an Bildung verdrängt in klassischen Bildungsinstitutionen den Grundkanon einer autonomen individuellen geistigen Entfaltung des Menschen durch Bildung im Sinne von Humboldt, Kant und Marx. Schule hatte schon immer einen gesellschaftlich-ökonomischen Selektionsauftrag, der unsere Gesellschaft zunehmend spaltet und Bildungserfolge verhindert bzw. die Benachteiligung fördert. Schule, Lehr-Lern-Material orientiert sich an öffentlichen Schulen meist an den Idealen der mittleren Schicht (vgl. Künzel, 2013, S. 205). Dieses Raster passt nur bedingt auf die unterschiedlichen Lebenswelten – es erfolgt eine Reduktion durch Homogenisierung. Die Dominanz von Schule als allgemeiner, öffentlicher und primärer Bildungsort für Kindheit und Jugend führt mit konzeptionellen Elementen zu einer nicht zeitgemäßen Abwertung von Qualifikation und Wissen in anderen Bereichen. (Vgl. Bollweg, 2008, S. 49)

Bildungsinstitutionen stehen vor der Problematik, dass sie zum einen an die jugendlichen Lebenswelten anknüpfen müssen – objektive versus subjektive Verwendbarkeit – und auf der anderen Seite muss ein gesellschaftlicher und sozialer Bezug zur Teilhabe und Teilnahme an Bildung ermöglicht werden. Aktuelle Studien zeigen, dass die meisten Jugendlichen gerne in die Schule gehen. Schule ist für sie nicht nur Lernort, sondern ein wichtiges soziales Geflecht, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Das curriculare Lernen und der klassische Schulbegriff prägen den Bildungsbegriff bei Jugendlichen. Um eine ganzheitliche Bildung und Entwicklung zu gewährleisten, haben sich mit der Zeit verschiedene zusätzliche Lebens- und Entwicklungsräume für Jugendliche gebildet, die auf deren Interessen eingehen können bzw. sich aus diesen gebildet haben. Sie eröffnen neue Sinn- und Erfahrungsmöglichkeiten, die Schule durch ihre gesellschaftliche-institutionelle Infrastruktur kaum leisten kann. Der Umgang mit Jugendlichen erfordert ein sehr sensibles Vorgehen und eine Einbindung der individuellen Lebenswelten. Die in der biografisch bedingten, individuellen Lebenswelt erworbenen Kompetenzen und das hier erlangte Wissen müssen im Bildungsprozess eine stärkere Wertschätzung erhalten. Diese Ressourcen können einen Ausgleich für negative Schulkarrieren bieten. (Vgl. Flügge & Thomas, 2013, S. 203 f. f.)

2.2 Iconic Turn |

3.1 Peer Education – Engagierte VS Zielgruppe |