2 Jugendliche und ihre Lebenswelten

Die Jugendphase ist heute als eigenständiger Abschnitt der Sozialisation in unserer Gesellschaft anerkannt. Als eigenständige Phase wird Jugend seit der Zeit des „Wandervorgels“ zu Anfang des 19. Jahrhunderts begriffen. Der Begriff umfasst allgemein die Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Diese Zeit wird auch als Adoleszenz bezeichnet. Die Adoleszenz (lat. adolescere „heranwachsen“) ist das Übergangsstadium in der Entwicklung des Menschen von der Kindheit (Pubertät) hin zum vollen Erwachsensein und stellt den Zeitabschnitt dar, währenddessen eine Person biologisch gesehen zwar erwachsen, aber emotional und sozial noch nicht vollends gereift ist.

Schon zu Beginn der ersten Jugendbewegung wie dem Wandervogel Anfang des 19. Jahrhunderts zeigte sich, dass jugendliche Interessen nicht immer kompatibel zur Gesellschaft sind und entsprechend einen besonderen Raum zur Entfaltung benötigen, in dem sie z. B. unterschiedlichen Rollen ausprobieren können. Dabei stehen die Bedürfnisse und Wünsche von Jugendlichen nicht immer im Einklang mit der Gesellschaft und führen zu Diskrepanzen. Die heutigen Jugendkulturen bilden ein heterogenes Spektrum, das auf die individualisierten Anforderungen unserer pluralisierten Gesellschaft eingehen kann, wodurch sich immer wieder neue Szenen und Jugendkulturen heraus kristallisieren (vgl. Schröder, 2003, S. 95). Es gibt zahlreiche Forschungsansätze, die versuchen, die Jugendphase für Außenstehende verständlicher zu machen. Angesichts des heutigen hohen Individualisierungsgrades von Jugendlichen mag es dahingestellt sein, wie zutreffend die einzelnen Forschungsthesen sind und inwiefern ihre Aussagen für sich beanspruchen können, das „wahre“ Bild von aktuellen Jugendkulturen und Szenen widerzuspiegeln. (vgl. Hitzler, Niderbacher, 2010, S. 9) Dennoch zeigen alle Forschungen gemeinsam, dass Jugend ein komplexes Arrangement von unterschiedlichen Settings ist und dass es keinen allgemeingültigen „golden Weg“ im Umgang mit dieser gibt. Jugend ist nicht nur als Durchgangsphase beim Übergang vom Kind zum Erwachsenen anzusehen. Vielmehr ist sie heute eine Kulturform bzw. beschreibt die Einstellung zur Welt. (vgl. ebd., S. 196) Die Individualisierungsthese ist stark mit dem autonomen Individuum und dessen Lebenswelt bzw. Subjektivierung verknüpft. Die Lebenslagen, in denen die Subjektivierung stattfindet, fokussieren nicht die Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder an, sondern das gemeinschaftliche Angebot und Interessen des Kollektivs (vgl. ebd., S. 183). Jugendlichen stehen zur Gestaltung ihrer Lebenswelten zahlreiche Werkzeuge zur Verfügung. Besonders die Szenen, das popkulturelle Wissen und ihre unterschiedlichen Kulturformen sind ein wichtiger Bestandteil.

1 Einleitung |

2.1 Alltagsästhetik und popkulturelles Wissen |