1 Einleitung

Durch den alltäglichen un-/bewussten Umgang mit informeller Bildung durch neue Medien (u. a. Internet) sind die Hürden, sich ein entsprechendes Wissen anzueignen, relativ gering. Besonders die digitalen neuen Medien können mit einem geringen Kosten- und Zeitaufwand re-/produziert werden, sodass es jedem Internetnutzer theoretisch möglich ist, sein Wissen mit anderen zu teilen. Durch die voranschreitende Globalisierung und die damit verbundene technologische Vernetzung von Menschen ist es heute normal für Jugendliche, über neue Medien zu kommunizieren. Anders als im realen Leben gibt es im Internet nahezu keine Grenzen. Aus diesem Grund wird das Internet heute noch von vielen als Fluch, aber auch als Segen betrachtet. Für andere Medienbereiche haben wir inzwischen zahlreiche Instrumente der Überwachung und Regelung (FSK bei Medien, Kindersicherungssoftware für den Computer) entwickelt, die Jugendliche in ihrem Konsum einschränken und beschützen sollen. Diese Instrumente sind nur bedingt für das Internet geeignet. Das größte Problem ist, dass die Kompetenzen und die Erfahrung im Umgang mit dem Internet vom Alter abhängen.

Der in dem Vortag von Max Fuchs „Mehr Chancen durch kulturelle Bildung in der Ganztagsschule“ angesprochene Aspekt, durch ein externes Lehr- und Lernangebot die Schule zu entlasten und dennoch ein erfolgreiches Lernklima zu gestalten, entspricht den allgemeinen Forschungsansätzen. Die aktuellen Forschungen (u. a. Sinus Milieus, Shell Jugendstudie, JIM Studie) zeigen auf, dass Jugendliche ein ausgeprägtes sensibles Wahrnehmungsmuster verfolgen und dieses entsprechend ihren alltagsästhetischen Standards verarbeiten. Demnach zeichnet sich ein widersprüchliches Bild ab. Auf der einen Seite nutzen die Jugendlichen die neuen Medien und Technologien zur ästhetischen Gestaltung des Alltags und Prägung ihrer selbst, aber nur eine geringe Zahl von ihnen interessiert sich für die im Hintergrund ablaufenden Prozesse – Stichwort „Iconic Turn“.

Denkt man diesen Ansatz konsequent weiter und kombiniert ihn mit den aktuellen Forschungen, dann drängt sich der Gedanke in den Vordergrund, den Bildungsort Schule stärker mit außerschulischen Angeboten zu verknüpfen. Die künstlerisch-musischen Themenbereiche sind heute schon vielzählig als Projektansätze vorhanden. Sie eignen sich besonders gut, um einen Kontext mit den Lebenswelten der Jugendlichen zu erschließen, weil sie einen großen Raum im Bedeutungshorizont und in der Lebenswelt der Jugendlichen darstellen. Naturwissenschaftliche Themen sind weniger beliebt und Jugendliche kommen hauptsächlich im Zuge des Schulunterrichts mit ihnen in Kontakt. Besonders diese Schulfächer erscheinen vielen Schüler/innen als mühselig und ihnen fehlt der Zugang. Dennoch lieben Jugendliche ihre elektronischen Spielereien. Diese sog. „Digitalen Natives“ durchforsten in ihrer Freizeit die „Sozialen Netzwerke“, wie Facebook, YouTube usw. und bilden sich oft un-/bewusst fort. Dabei ist ihnen der Prozess, der hinter einem digitalen oder analogen Vorgang steckt, nicht bekannt.

Im digitalen Zeitalter muss man ein gewisses KNOW HOW haben, um z.B. die immer tiefer in die persönlichen Bereiche eingreifenden politischen Entscheidungen, die unsere digitale Welt regulieren sollen, mündig abzuwägen. Betrachtet man z. B. die Diskussion und die Forderungen um die „Klarnamenspflicht“ im Internet gehen die Meinungen von Experten und der Politik auseinander.

Dies sind nur einige wenige Aspekte, die deutlich machen, warum es inzwischen notwendig geworden ist, dass man gewisse technische Kompetenzen erlernt. Besonders der IT Bereich hat inzwischen einen großen Einfluss auf unser gesellschaftliches und politisches Leben sowie auf unsere Kultur. Momentan werden in der Politik viele wichtige Entscheidungen getroffen, die die digitale Zukunft im Internet verändern werden und das Internet als Wissensquelle stark einschränken (ACTA, Ceta, GEMA VS YouTube, Vorratsdatenspeicherung, BND und eMail Überwachung usw.)

Mit der geplanten Arbeit sollen einzelne Elemente aus den unterschiedlichen Bereichen Technik und Musik sinnvoll miteinander zu einem praktischen Medienkompetenzansatz kombiniert werden. Über die Peer Education und den musikalischen Schwerpunkt sollen die Kontakthemmungen gegenüber den doch recht komplex und fremd wirkenden Projektangeboten verringert werden. Im ersten Teil der Arbeit wird allgemein das Thema Jugend und neue Lernkulturen mit Schwerpunkt auf die Peer Education behandelt. Anschließend folgt der Projekt- und Konzeptansatz mit praktischen Beispielen für die Umsetzung. Zum Schluss wird die gesamte Arbeite noch einmal resümiert und es erfolgt ein Ausblick. Für die Konzeptionierung wurde der Frage nachgegangen: „Wie können neue Medien und Technologien sinnvoll mit jugendlichen Lebenswelten in einem Lernkontext verknüpft werden?“.

2 Jugendliche und ihre Lebenswelten |